Wie lässt sich Privatheit in digitalen Umgebungen so schützen, dass unterschiedliche Vulnerabilitäten berücksichtigt werden? Das Policy Paper macht deutlich, dass viele Personen nicht ausreichend geschützt sind, wenn vor allem auf individuelle Cookie-Einstellungen und eine Stärkung der Datenschutzkompetenz durchschnittlicher Nutzender gesetzt wird. Insbesondere vulnerable Personengruppen – etwa Kinder, ältere Menschen oder Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen – können die Risiken einer Datenweitergabe häufig nicht angemessen einschätzen und sind stärker gefährdet, durch Privatheitsverletzungen geschädigt zu werden.
Vulnerabilität ist dabei kein statisches Personenmerkmal, sondern entsteht kontextabhängig und ist je nach technischer, sozialer oder institutioneller Umgebung unterschiedlich ausgeprägt. Klassische Diskriminierungskategorien wie Geschlecht, Herkunft oder Alter greifen daher oft zu kurz. Das interdisziplinäre DiversPrivat-Forschungsteam schlägt stattdessen vor, eine Diversitätsperspektive einzunehmen, die Schutzbedarfe nicht allein anhand von Gruppenzugehörigkeiten bestimmt, sondern konkrete, situative Vulnerabilitäten im jeweiligen digitalen Kontext einbezieht. Vor diesem Hintergrund formuliert das Policy Paper sowohl konzeptionelle und ethische Empfehlungen dazu, wie Privatheit diversitätsgerecht geschützt werden kann, als auch praktische Empfehlungen zu Benutzeroberflächendesign, Rechtsfortentwicklung und Wissenschaftskommunikation.
Naegeli, L.; Sinn, J.; Reinhardt, K.; Geminn, C.; Heesen, J.; Hennig, M.; Schmied, L.; Strathmann, C.; Krämer, N. (2026): Diversitätsgerechter Privatheitsschutz. Empfehlungen zum Schutz der Privatheit vulnerabler Gruppen in digitalen Umgebungen. Forschungsberichte der Plattform Privatheit, Nr. 7, Hrsg. v. Friedewald et al. Karlsruhe: Fraunhofer ISI.