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Lehrbeauftragte & Promovierende
Lehrstuhl für Geschichte der ost- und mitteleuropäischen Kulturen im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit
Das geplante Dissertationsvorhaben widmet sich dem vormodernen Niederadel im Vogtland zwischen etwa 1250 und 1600 – einer Zeitspanne, die von der Ausdifferenzierung und Konsolidierung des Ritterstandes um 1300 bis in das konfessionelle Zeitalter der Frühen Neuzeit reicht. Bereits der programmatische Titel des 1591 erschienenen „Adels Spiegel“ des Cyriacus Spangenberg – „Was Adel sey und heisse, woher er komme, wie mancherley er sey“ – verweist auf eine Problematik, die bis heute die Forschung begleitet: Eine trennscharfe Definition des Niederadels bleibt kaum möglich, da dieser sowohl nach oben zum Hochadel als auch nach unten zum aufsteigenden Bürgertum und Großbauerntum durchlässige Grenzen aufweist. Das Vorhaben begreift den Niederadel daher nicht über eine starre Definition, sondern über ein Bündel einender Merkmale wie soziale Exklusivität, rechtliche Sonderstellung, vornehmes Konnubium, Grundherrschaft, Waffenrecht und Kriegsdienst, kirchliche und höfische Ämter sowie eine spezifische Mentalität und Lebensform. Es gilt, das vormoderne Vogtland als spezifische Adelslandschaft darzustellen.
Trotz eines zahlenmäßig markanten Übergewichts – im mitteldeutschen Raum kamen auf einen Hochadligen schätzungsweise 25 Niederadlige, im Vogtland standen rund 50 niederadlige Familien einer einzigen hochadligen Dynastie, den Vögten von Weida, Gera und Plauen und ihrer Nachkommen, gegenüber – steht die Erforschung des Niederadels bis heute „im Schatten der Aufmerksamkeit“ (Joachim Schneider), die traditionell dem Hochadel gilt. Für das Vogtland fehlt bislang trotz günstiger Quellenlage (u. a. dank der Vorarbeiten Curt von Raabs und des Urkundenbuchs der Vögte von Weida, Gera und Plauen) eine wissenschaftliche Gesamtdarstellung. Ältere Forschungsansätze gingen von einer „Adelskrise“ und einem Niedergang des Rittertums im Spätmittelalter aus (Topos des „Raubritters“); neuere Studien zeigen hingegen, dass niederadlige Familien in der Transformationszeit zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit vielfach gestärkt aus den Umbrüchen hervorgingen. Das Dissertationsvorhaben fragt daher, mit welchen sozioökonomischen, religiös-kultischen und militärischen Handlungsoptionen vogtländische Adelsfamilien ihre Stellung behaupteten oder ausbauten, und schließt damit an den von Rudolf Braun geprägten Begriff des „Obenbleibens“ an. Für den Untersuchungsraum lässt sich eine Vielzahl solcher Handlungsoptionen identifizieren: von Kriegs- und Lehnsdiensten über Heiratsstrategien, Kreditwesen und Ämterlaufbahnen bis hin zu Stiftungen, Bildungswegen und die Erinnerungs- und Erzählkultur (Memoria) als Instrument der Dynastiebildung.
Im Zentrum steht das Vogtland als Teil einer historischen Doppel- bzw. Grenzlandschaft, die eng mit dem benachbarten Egerland verflochten war und im Sinne der Borderland Studies als deutsch-böhmische Transferzone verstanden wird. Eine zentrale Zäsur bildet der Vogtländische Krieg (1354–1357), in dessen Folge die Vögte von Weida, Gera und Plauen einen Großteil ihrer Macht an Karl IV. und die Wettiner verloren – ein Ereignis, das die politischen Handlungsspielräume des regionalen Niederadels nachhaltig veränderte und ihn zwischen den konkurrierenden Herrschaftsträgern (Vögte, Wettiner, böhmische Krone, Zollern als Burggrafen von Nürnberg) neu positionierte. Der Untersuchungszeitraum reicht von dieser Formierungsphase des Niederadels um 1250/1300 bis an die Schwelle des 17. Jahrhunderts.
Die Untersuchung stützt sich auf ein heterogenes Quellenkorpus aus gedruckten Editionen (etwa dem Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae oder dem Urkundenbuch der Vögte) sowie auf ungedrucktes Archivmaterial, vor allem aus dem Hauptstaatsarchiv Dresden, ergänzt durch regionale Bestände in Sachsen, Thüringen, Cheb und Franken. Hinzu treten administrative Schriftgüter (Güterverschreibungen, Testamente, Gerichtsakten, Musterungslisten) sowie Ego-Dokumente wie Briefwechsel und Leichenpredigten. Methodisch verbindet das Vorhaben eine prosopographisch-kollektivbiographische Analyse führender Familien (u. a. Sack, Wolffersdorff, Tettau, Metzsch) mit einem strukturgeschichtlich-vergleichenden Zugriff; die Ergebnisse einer systematischen, datenbankgestützten Quellenauswertung sollen die niederadlige Lebenswelt der Region im deutsch-böhmischen Kontaktraum vergleichend greifbar machen.
Die Arbeit gliedert sich in vier Teile: (1) Forschungsstand, Begriffs- und Quellengeschichte sowie die Verfasstheit des Niederadels seit seiner Konsolidierung im Spätmittelalter; (2) die Transformationszeit zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen im Reich und in Böhmen; (3) der Untersuchungsraum Vogtland als Adelslandschaft; (4) als Kernstück eine individuelle, prosopographisch fundierte Analyse der Handlungsoptionen führender vogtländischer Adelsfamilien auf Grundlage neu erhobener und ausgewerteter Archivbestände.
Das Vorhaben ist eng mit dem Teilprojekt „‚Kleine Aufsteiger‘ – sozioökonomische und militärische Strategien niederadliger Familien im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit (14.–17. Jahrhundert) im Eger- und Vogtland und angrenzenden Regionen“ in das von Prof. Dr. Grischa Vercamer geleitete, dreijährige EU-Interreg-Projekt „Kulturelles Erbe des Vogt- und Egerlandes“ (TU Chemnitz, 2024–2027) verknüpft. Neben der Dissertation entstehen im Projektrahmen eine populärwissenschaftliche Monographie, eine Dauerausstellung für die Burg Mylau sowie ein Tagungsband zur internationalen Tagung „Aufsteigen und Obenbleiben – Strategien niederadliger Familien im Vogt- und Egerland und den angrenzenden Regionen im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit“ (Burg Mylau, 12.–14. November 2025).
seit 04/2023
M. A. Interkulturelle Germanistik, Technische Universität Chemnitz
Schwerpunkte: Interkulturelle Mediävistik und Digital Humanities.
04/2023–06/2024
M. A. Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz
10/2020–04/2023
B. A. Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz
Masterarbeit Europäische Geschichte (2024): „Krieg mit den Anderen oder: Kumanen in den spätmittelalterlichen Heeren der Habsburger. Formen der Abjektivierung in den erzählenden Quellen zu den Schlachten bei Dürnkrut (1278) und Mühldorf (1322).“
Bachelorarbeit Europäische Geschichte (2023): „Johann von Sachsen und das Mittelalter.“
Die Bachelorarbeit wurde 2024 mit dem Hubert-Ermisch-Preis für Geschichte und Kultur Sachsens des Vereins für Sächsische Landesgeschichte ausgezeichnet.
seit 07/2024
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt „Kleine Aufsteiger – sozioökonomische und militärische Strategien niederadeliger Familien im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit (14.–17. Jahrhundert) im Vogtland und in angrenzenden Regionen“ innerhalb des EFRE-Projektes „Kulturelles Erbe des Vogt- und Egerlandes“.
01/2026–09/2026
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, TU Chemnitz.
10/2025–04/2026
Lehrauftrag an der Universität Passau: Proseminar „Religiöse Strömungen und Konflikte im spätmittelalterlichen Reich – mit besonderem Schwerpunkt auf den Hussitenkriegen (1419–1434)“.
07/2025–12/2025
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt ARCHIVE-eXpo – Augmented Reality in Chemnitz für historische, inklusive und virtuelle Erlebnisse, Professur für Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, TU Chemnitz.
09/2024–12/2024
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt ARCHIVE – Augmented Reality in Chemnitz für historische, inklusive und virtuelle Erlebnisse, Professur Mensch und Technik, TU Chemnitz.
03/2024–07/2024
Wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur Mensch und Technik, TU Chemnitz; Mitarbeit am Projekt ARCHIVE und Content-Erstellung für eine Augmented-Reality-Anwendung zur Chemnitzer Stadtgeschichte.
09/2023–06/2024
Wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, TU Chemnitz. Mitarbeit am BMBF-Projekt zur digitalen Aufbereitung der Geschichte des Klosters Mildenfurth bei Weida.
08/2023–12/2023 sowie 04/2024–07/2024
Wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur Germanistische Mittelalterforschung, Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Mitarbeit an der digitalen Edition „Der Streit König Friedrichs“.
10/2022–10/2023
Mitarbeit im Forschungsprojekt zur Schlachtfeldarchäologie; Beteiligung an der gleichnamigen Übung im Sommersemester 2023.
04/2021–07/2024
Tutor sowie studentische bzw. wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, TU Chemnitz.
10/2022–10/2024
Deutschlandstipendiat der TU Chemnitz.