La Confluence – wer im frankophonen Sprachraum unterwegs ist, denkt automatisch an den gleichnamigen Stadtteil von Lyon, wo Rhone und Saône zusammenfließen. Einen Zusammenfluss gibt es aber auch in Passau, dem Veranstaltungsort des 14. Frankoromanistentags 2024.
Tatsächlich lässt sich in der Dreiflüssestadt Passau täglich aufs Neue beobachten, was es bedeutet, wenn drei ganz unterschiedliche Flüsse in Bewegung sind und aufeinandertreffen. Der Zusammenfluss ist stets Begegnung derselben Materie, die unterschiedlichen Beschaffenheiten der zusammentreffenden Gewässer verhindern allerdings eine sofortige Verschmelzung. Je nach Witterungsverhältnissen lassen sich im dynamischen Zusammenfluss Segregationsphänomene ebenso beobachten wie Hybridisierung und Amalgamierung. Ähnlich verhält es sich in der Dreiländergrenzregion mit dialektal-sprachlichen wie kulturellen Phänomenen. Spätestens in Folge der so genannten Migrationswelle 2015 wurde Passau aber auch zu einem Kontaktraum von Menschen unterschiedlichster Sprachen und Kulturen.
Über den lokalen Bezug zum Veranstaltungsort eröffnet das Rahmenthema „Confluences“ mit Blick auf Frankreich und die Frankophonie in dia- wie synchroner Dimension zahlreiche Konkretisierungsformen und vielfältige Anschlussmöglichkeiten für sprach-, literatur- und kulturwissenschaftliche sowie fachdidaktische Fragestellungen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gleichnamigen Wiki-Software zu digitalem Wissensaustausch im Co-Working-Format will das Rahmenthema ganz bewusst auch transversale Themenstellungen ermöglichen, bei denen digitalen Medien Rechnung getragen wird.
Wenn Menschen migrieren, treffen sie auf eine neue Umgebung, die einerseits verändernd auf die mitgebrachten Sprachen, Praktiken und Traditionen wirken kann, die aber andererseits durch die Migration zugleich selbst Veränderung erfahren kann.
Dieses Spiel der wechselseitigen Beeinflussung lässt sich in der Romania besonders gut beobachten: Historisch betrachtet führten Migrationsbewegungen im Zusammenhang mit Eroberungen zur Romanisierung europäischer Regionen und später zur außereuropäischen Verbreitung romanischer Sprachen, Denkweisen, Kulturen und Religionen in kolonialen Kontexten. Über die synchron wie diachron analysierbaren Folgen des oft gewaltsamen historischen Kontakts hinaus lassen sich auch zeitgenössische Flucht-, Exil- und Migrationsphänomene beobachten. Hierbei können romanisch geprägte Gebiete sowohl Ausgangspunkt (gegenwärtig z. B. venezolanische Migration u. a. nach Kolumbien, Arbeitsmigration aus Rumänien und der Republik Moldau, historisch z. B. italienische und spanische Arbeitsmigration nach Deutschland in den 1960er Jahren) als auch Zwischenstation (gegenwärtig z. B. zentralamerikanische Länder und Mexiko für die Migration in die USA, historisch z. B. Frankreich für das republikanische Exil Spaniens auf dem Weg nach Mexiko, Chile für das brasilianische Exil infolge der Militärdiktatur) oder Zielort (gegenwärtig z. B. Italien und Spanien für die Migration aus Nordafrika, historisch z. B. Frankreich für das lateinamerikanische Exil infolge der Militärdiktaturen, Lateinamerika für die jüdische Bevölkerung, politisch Verfolgte und später auch Täter:innen im Kontext des Zweiten Weltkriegs) der Migration sein. Die damit einhergehende Transnationalisierung von Gesellschaften, die heute durch die Kommunikation über soziale Netzwerke verstärkt wird, stellt sich als ambivalente Erfahrung dar, die sowohl negativ etwa in Form von Konflikten, Anpassungsschwierigkeiten und Abwehrreflexen (z. B. Identitätsverlust, Armut, Marginalisierung, Segregation, Isolation) als auch positiv im Sinne einer wechselseitigen Bereicherung und Chance für die Entstehung von Neuem (z. B. Pidgin- und Kreolsprachen, hybride Kontaktvarietäten wie das sog. chiac,Kosmopolitismus, Kultursensibilität, cinéma du metissage, Weltliteratur) gedeutet werden kann. Herausforderungen für Zurückbleibende, Migrierende, Migrierte sowie für die Zielgesellschaften können sich u. a. in der Infragestellung eigener Praktiken und Werte oder in Form verschiedener Rückzugs- und Öffnungsgrade gegenüber neuen Einflüssen zeigen. Nicht zuletzt in schulischen Kontexten, wo sich unterschiedliche Nationalitäten im Sinne einer Didaktik der Vielfalt als Chance für interkulturelles Lernen wie auch als Herausforderung für Lernende wie Lehrende erweisen können, zeigt sich die Ambivalenz in ihrer Breite.
Die Entstehung, Fortsetzung und Transformation sprachlicher, literarischer und kultureller Praktiken im Zusammenhang mit Migration und Transnationalisierung soll im Mittelpunkt des XXXVIII. Forums Junge Romanistik stehen, das vom 12.–14. April 2023 an der Universität Passau stattfindet. Dabei möchten wir zum einen bestehende Ansätze diskutieren und weiterentwickeln, zum anderen aber auch die Potenziale und Herausforderungen neuer theoretischer, methodischer und praktischer Zugriffe behandeln.
Mögliche Impulse für die literatur- und Kulturwissenschaftliche Sektion
Mögliche Impulse für die sprachwissenschaftliche Sektion
Mögliche Impulse für die fachdidaktische Sektion
Les médias de masse assument un rôle important dans la manière dont une société aborde ses conflits. Linguistiquement, leur traitement varie selon plusieurs axes : le respect des règles de politesse (Brown/Levinson 1987), la volonté de compréhension mutuelle (Grice 1975) ou encore la nature plus ou moins ouverte de la communication (Hall 1977) dépendent par exemple considérablement du type de conversation (par ex. talkshows vs journaux) ainsi que de facteurs culturels. De plus, le degré d’anonymité élevé de la communication digitale, mais aussi la manière dont les internautes se mettent eux-mêmes en scène, favorisent l’apparition de phénomène comme le discours de haine (angl. hate speech, cf. Meibauer 2013, Lozenzi Bailly/Moïse 2021), connu comme étant l’expression linguistique de la haine à l’égard de personnes ou de groupes, notamment par l’utilisation d’expressions destinées à dénigrer et à déprécier des groupes en particulier et susceptible d’influencer les choix langagiers, la radicalité de contenus abordés ainsi que l’opinion politique (Gagliardone et al. 2015).
La présente section aborde les conflits et débats dans différents types de médias et met un accent particulier sur le discours haineux dans les réseaux sociaux. Les médias pris en compte sont définis d’une manière large comme moyens de communication de masse caractérisés par des supports techniques et sémiotiques dans la transmission de l’information (Wolf 2011). La section regroupe ainsi des contributions sur la presse écrite, les médias audiovisuels ainsi que les médias digitaux liés à internet, dont, en particulier, le web 2.0 et ses réseaux sociaux (p. ex. Jaki/De Smedt 2019, Jaki et al. 2019). Au niveau linguistique, les analyses peuvent toucher tous les niveaux de description : prononciation (p. ex. stratégies vocales utilisées dans des débats en direct), morphosyntaxe (p. ex. corrélation entre degré d’élaboration et d’exactitude grammaticales dans les réseaux sociaux et opinions politiques de leurs auteur.e.s), lexique (p. ex. vocabulaire poli vs malpoli, euphémisant vs direct, rationnel vs émotionnel), pragmatique (p. ex. degré de coopération, stratégies communicatives comme l’ironie ou le sarcasme, fonction des émoticônes dans le discours de haine, performativité de la langue) ou encore linguistique variationniste (p. ex. identification de discours de haine sur le continuum de la proximité et la distance, cf. Koch/Oesterreicher 2011; comparaison entre différentes variétés de français; cf. Reutner 2017).
Dans ce cadre des sujets conflictuels dans les médias, la section aborde principalement (mais pas uniquement) les aspects thématiques suivants :
En cuanto a una colaboración interdisciplinaria entre la investigación hispanista y los métodos de investigación de la traductología y de la lingüística contrastiva, vemos unas perspectivas prometedoras. Esta sección tematiza los medios audiovisuales en culturas de hablantes de lengua alemana e hispanohablantes, ya que la creciente internacionalización de la comunicación mediática actual es un desiderátum esencial que da lugar a estudios de traducción así como comparativos en el cuadro de una lingüística mediática contrastiva.
De este modo, los trabajos en esta sección se basan en dos centros de interés:
Los siguientes temas pueden servir como inspiración para ponencias:
Traducción audiovisual
Lingüística mediática contrastiva
Die Emanzipation von Farbigen und Frauen führte in den Vereinigten Staaten von Amerika zu verschiedenen Maßnahmen, die unter der Bezeichnung Political Correctness kontrovers diskutiert wurden. Ausgehend von den USA hat das Streben nach Politischer Korrektheit dann Kanada sowie europäische und lateinamerikanische Staaten erreicht. In ihnen wurden Grundgedanken der Bewegung übernommen, diese gleichzeitig aber auch an die Verhältnisse vor Ort angepasst und entsprechend modifiziert. Weitgehend aufgehoben ist auf beiden Seiten des Atlantiks inzwischen die Restriktion auf die Bereiche Ethnie und Geschlecht. So schließt der Begriff heute auch Diskursvorgaben und -empfehlungen zum Schutz weiterer qualitativer Minderheiten ein, denen im höflichen Umgang teilweise schon immer Rücksicht entgegen gebracht wurde, teilweise aber auch erst durch einen jüngst vollzogenen Bewusstseinswandel. In beiden Fällen kommt den Minderheiten heute eine verstärkte Aufmerksamkeit zu, die sich in den Staaten der Europäischen Union auch in dem 2006 erlassenen Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz niederschlug, das "Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen sucht" (§ 1). Dabei kann Politischer Korrektheit zweifelsohne auch eine sichtbar machende Kraft innewohnen: wie im Falle neuer Femininbildungen für Berufsbezeichnungen z. B. das – im Horizont eines hierfür günstigen gesellschaftlichen und politischen Klimas verortbare – Bestreben, die Gleichbehandlung durch sprachliche Innovation zu erreichen.
Politische Korrektheit meint aber auch im Foucaultschen Sinne das Recht, etwas Bestimmtes sagen zu dürfen, die Autorität, es zu stigmatisieren, wenn es gesagt wurde, und die Macht, zu verhindern oder sogar zu verbieten, dass es überhaupt gesagt wird. Diese Seite der Political Correctness kann thematisch ebenfalls mit Minderheiten zu tun haben und betrifft dann z. B. den Schutz von Glaube und Religion, wie er im Streit um die Mohammed-Karikaturen ebenso zum Ausdruck kommt wie in der Entrüstung über Blasphemie in Werbung, Theater- und Operninszenierungen oder den bildenden Künste. Doch geht sie weit darüber hinaus und schließt auch Bereiche wie Krieg, Wirtschaft und Sozialpolitik ein, in denen Diskurstabus die offene Thematisierung bestimmter Tatsachen verhindern. In einigen Gesellschaften scheint sich gerade diese Tendenz immer mehr auszubreiten und droht zu dem zu führen, was Jean-Claude Boulanger schon 1986 interdiction genannt hat: Begriffe aus thematisch problematischen Feldern – werden plötzlich negativ konnotiert und somit schleichend tabuisiert, wie der Fall Eric Zemmour in Frankreich im Jahre 2008 mit Bezug auf den Begriff der Rasse gezeigt hat. In der Sektion sollen aus sprach-, literatur- und medienwissenschaftlicher Sicht die Auswirkungen der neuen Mentalität in den romanischsprachigen Ländern beschrieben und verglichen werden. Dabei geht es insbesondere um Diskursnormen im öffentlichen Bereich:
Über den tatsächlichen Sprachgebrauch hinaus interessiert die Umsetzung politischer Korrektheit in sprachvermittelnden Werken:
Nicht zuletzt sollen unter Bezug auf sprachphilosophische Grundlagen auch die Sinnhaftigkeit und Problematik von Bezeichnungsveränderungen und Sprachzensur diskutiert werden.
Das Motto des Passauer Hispanistentages soll zu Fragestellungen anregen, die die Auseinandersetzung der spanischsprachigen Kulturen mit dem Verhältnis von Repräsentation und Realität in synchroner und diachroner Hinsicht näher beleuchten und dabei Erkenntnisinteressen, Methoden und Forschungsfelder des Faches erweitern. Insbesondere wird es dabei um die Profilierung einer Hispanistik gehen, die im Zeichen von Globalisierung und Transdisziplinarität die Herausforderung der neuen Realität(en) annimmt und diese in ihrer historischen Verfasstheit untersucht. Dabei werden auch Unterschiede zwischen Europa und Amerika in der Aneignung der verschiedenen Realitäten und Formen ihrer Repräsentation relevant.
Die neuen Kommunikationsformen mit der Maschine im digitalen Code werden zur Kontrastfolie für die Bestimmung des Verhältnisses von Realität, Virtualität und Repräsentation. Die Möglichkeit interaktiver Nutzung der Medien konstituiert beispielsweise eine völlig neue Form von Öffentlichkeit: Inszenierungen virtueller Gemeinschaften und Wirklichkeitssimulationen, die traditionelle Unterscheidungen zwischen Realität und Fiktion aufweichen, werden langfristig zu einer Entwicklung neuer Kulturtechniken und Wissensformen führen. Das 21. Jahrhundert wird sich daher zunehmend mit neuen Formen menschlicher und nicht-menschlicher Umwelt und Wirklichkeit auseinanderzusetzen haben. Dies wirft Fragen nicht nur nach dem Verhältnis von Realität und Virtualität, sondern auch nach der Repräsentation dieser Welt(en) in Sprache und Kultur auf und macht Untersuchungen zu geschichtlichen Formen der sprachlichen und literarischen Wirklichkeitskonstruktion unabdinglich.
Für die Literatur- und Kulturwissenschaft werden dabei vergleichende Ansätze - etwa der Gegensatz zwischen klassischen Formen literarischer Darstellung einerseits und Virtualität und Simulakren der (Post-)Moderne andererseits - wie auch Einzelaspekte zu Inszenierungen und Realitätsrepräsentationen eine Rolle spielen; in der Sprachwissenschaft soll die Frage sprachlicher Repräsentation und Kognition in der spanischen Gegenwartssprache wie auch in früheren Sprachstufen im Zentrum stehen.
Als größter hispanistischer Kongress im deutschsprachigen Raum bietet der Hispanistentag über das wissenschaftliche Programm hinaus Gelegenheit, über aktuelle hochschulpolitische Themen aus Sicht des Fachs zu diskutieren, etwa über die Frage geänderter Berufsbilder in der Informationsgesellschaft. 2011 soll in Passau zudem mit einem Diskussionsforum zur Lage der Romanistik in den östlichen Ländern Europas an einen Schwerpunkt des Romanistentages in Regensburg angeknüpft werden.
Die digitale Revolution hat unser aller Leben in kürzester Zeit verwandelt. In nur vier Jahrzehnten, die zwischen der ersten E-Mail und der Generation Facebook liegen, wurde der tägliche Zugriff auf Informationen ungeahnten Ausmaßes vom heimischen Computer ermöglicht und weltweiter, sekundenschneller Datenaustausch zur Realität.
Die interkulturelle Kommunikation wird damit ebenso erleichtert wie intensiviert. Welche Auswirkungen hat dieser mediale Wandel auf ihre Qualität? Werden kulturgeprägte Verhaltensmuster auch in den neuen Medien beibehalten? Oder kommt es zur Homogenisierung ehemals kulturspezifischer Handlungsmuster? Oder aber bildet sich im „dritten Raum“ der Virtualität vielleicht eine ganz neue Kultur aus?
Drei Themenblöcke stehen im Zentrum der Passauer Tagung: Der Komplex Teams & Kollektive gilt der interkulturellen Kommunikation in virtuellen Gruppen und Arbeitsteams. Die Beiträge zu Identität & Persönlichkeit behandeln die Konsequenzen des Medienwandels auf die Art der Selbstpräsentation und individuellen Kommunikation. Die Referenten zu Zensur & Selbstzensur analysieren rechtliche Fragen und interessengeleitete Darstellungen.