Eine Okkultismusforscherin würde sagen, Medien gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Aufkommen spiritistischer Seancen. Ein Kommunikationswissenschaftler könnte antworten, Medien gäbe es seit Anfang des 19. Jahrhunderts und der Erfindung von Telegraphie und Photographie, weil er unter Medien vorzugsweise mechanische Massenmedien und ihre Folgeprodukte versteht. Eine Philosophin hingegen könnte argumentieren, mit Medium sei schon seit der Antike ein Dazwischenseiendes bezeichnet, das, wie der Äther, zwischen der Welt und unserer Wahrnehmung von ihr liege.
In der Medienkulturwissenschaft sind Medien kein fest umrissenes Gegenstandsfeld. Je nach Erkenntnisinteresse können wir über Film und Literatur, das Internet und Mobiltelefone, genauso aber auch über Musik, Bleistifte, die Zahl Null oder die Zentralperspektive sprechen. Was die medienwissenschaftliche Perspektive von anderen Kulturwissenschaften unterscheidet, ist, dass sie sich weniger als eine Deutungswissenschaft versteht, die Sinn und Bedeutung ihrer Untersuchungsgegenstände festlegt, sondern als eine Arbeitsweise, die sich für Medialisierungsprozesse und mediale Differenzen interessiert. Das, was Medien vermitteln bzw. ermöglichen, unterliegt immer Bedingungen, die das Medium selbst in seiner Medialität wie Materialität stiftet.
Medien können nur dann Sinn vermitteln, wenn sie sich an unsere Sinne wenden. Sie beeinflussen dementsprechend unsere Wahrnehmung, verändern, strukturieren unsere Hierarchie der Sinne, so dass es nicht zu viel gesagt ist, dass jede Kultur der Medien an eine Kultur der Wahrnehmung gebunden ist und umgekehrt. Medien haben eine kulturkonstitutive Funktion; eine Kultur ist nicht denkbar ohne Medien.
Medien sind Mittler und Vermittler, sie organisieren Zeit und Raum wie Uhren und Kalender, sie machen sichtbar, z. B. wie eine Uhr den Lauf der Zeit oder ein Fieberthermometer die Körpertemperatur. Sie erfordern bestimmte kulturelle Praktiken wie Lesen, Schreiben oder Rechnen und sie bestimmen, wie etwas sichtbar, hörbar oder verstehbar wird: als Zeichen, Buchstabe, Tonfolge, Geräusch oder Lichtmuster. Nicht zuletzt ist das Nachdenken über Medien nicht zu trennen vom Denken mit Medien.
Die Professur vertritt das Schwerpunktthema „Digitale Kulturen“, u. a. mit folgenden medienkulturwissenschaftlichen Inhalten: