Projektdetails
Die extreme Rechte in Deutschland und der 7. Oktober

Erstmals untersucht ein Team systematisch Reaktionen der extremen Rechten auf das antisemitische Massaker in Israel am 7. Oktober 2023. Antisemitismus und der Vergleich mit anderen Krisenerzählungen stehen im Fokus.
Der Terrorangriff der Hamas und anderer vom 7. Oktober 2023, bei dem mehr als 1.200 Menschen ermordet und 250 als Geiseln genommen wurden, markierte nicht nur eine Zäsur in Israel, sondern wurde zum Katalysator für antisemitische Mobilisierung weltweit. Viele antisemitische Vorfälle seit dem 7. Oktober sind zwar nicht auf das rechtsextreme Lager zurückzuführen, doch hat dieses über Jahre den Boden für Antisemitismus in Deutschland bereitet und ist bis heute zentral für antisemitische Hetze. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt „Die extreme Rechte in Deutschland und der 7. Oktober“ erstmals systematisch, wie rechtsextreme Akteure – von Neonazis über die AfD bis hin zu völkischen Siedlern oder türkischen Ultranationalistinnen – das Massaker ideologisch vereinnahmen und für ihre antisemitischen Narrative instrumentalisieren.
Im Zentrum der Studie steht die Frage, wie der Terror der Hamas in rechtsextremen Diskursen verurteilt, gerechtfertigt, verherrlicht oder als „Befreiungsakt“ umgedeutet wird. Besonderes Augenmerk liegt auf der Analyse antisemitischer Argumentationsmuster: Von der Relativierung der Gewalt über die Übertragung alter antisemitischer Verschwörungsmythen auf Israel und die aktuelle Situation bis hin zur propagandistischen Gleichsetzung israelischer Selbstverteidigung mit nationalsozialistischen Verbrechen. Auch die ideologische Darstellung komplexer geopolitischer und ideologischer Zusammenhänge wie rechtsextremes Framing der Rolle der USA oder des Iran werden in den Blick genommen.
Das Team von den Lehrstühlen für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Regierungslehre (Prof. Dr. Lars Rensmann, Nikolai Schreiter) und für Soziologie (Prof. Dr. Karin Stögner, Elke Rajal) erforscht die Reaktionen auf und Diskurse über die Massaker der Hamas in der deutschen extremen Rechten und ihre Funktionen inhalts- und diskursanalytisch. Vergleichend werden Bezüge zu früheren antisemitischen Krisennarrativen (etwa während der Corona-Pandemie oder in der Klimakrise) hergestellt, um Kontinuitäten und Brüche im modernen Antisemitismus und der extremen Rechten sichtbar zu machen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Anschlussfähigkeit zur Gesamtgesellschaft und sich selbst als progressiv bezeichnender politischer Milieus.
Symbolfoto: Adobe Stock
Über die Deutsche Postcode Lotterie
Die Deutsche Postcode Lotterie ist eine Soziallotterie, d. h. es gehen mindestens 30 Prozent aller Loseinnahmen an Projekte aus den Bereichen Chancengleichheit, sozialer Zusammenhalt sowie Natur- und Umweltschutz. So förderte die Postcode Lotterie seit ihrer Gründung 2016 in Deutschland bereits rund6.500 soziale und grüne Projekte mit mehr als 325 Millionen Euro. Über die Auswahl der Projekte entscheidet ein Beirat unter Vorsitz von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Prof. Dr. Rita Süssmuth. Weitere Informationen unter: https://www.postcode-lotterie.de/guter-zweck.
| Projektleitung an der Universität Passau | Prof. Dr. Karin Stögner (Lehrstuhl für Soziologie) Prof. Dr. Lars Rensmann (Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Regierungslehre) |
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| Laufzeit | 01.10.2025 - 30.09.2026 |
| Mittelgeber | ![]() Postcode Lotterie DT gGmbH |
| Projektnummer | FV-7911; FA-19403 |
| Förderhinweis | Dieses Projekt wird gefördert durch die Deutsche Postcode Lotterie. |
