Tagung unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern
Horst Seehofer
Das Motto des Passauer Hispanistentages soll zu Fragestellungen anregen, die die Auseinandersetzung der spanischsprachigen Kulturen mit dem Verhältnis von Repräsentation und Realität in synchroner und diachroner Hinsicht näher beleuchten und dabei Erkenntnisinteressen, Methoden und Forschungsfelder des Faches erweitern. Insbesondere wird es dabei um die Profilierung einer Hispanistik gehen, die im Zeichen von Globalisierung und Transdisziplinarität die Herausforderung der neuen Realität(en) annimmt und diese in ihrer historischen Verfasstheit untersucht. Dabei werden auch Unterschiede zwischen Europa und Amerika in der Aneignung der verschiedenen Realitäten und Formen ihrer Repräsentation relevant.
Die neuen Kommunikationsformen mit der Maschine im digitalen Code werden zur Kontrastfolie für die Bestimmung des Verhältnisses von Realität, Virtualität und Repräsentation. Die Möglichkeit interaktiver Nutzung der Medien konstituiert beispielsweise eine völlig neue Form von Öffentlichkeit: Inszenierungen virtueller Gemeinschaften und Wirklichkeitssimulationen, die traditionelle Unterscheidungen zwischen Realität und Fiktion aufweichen, werden langfristig zu einer Entwicklung neuer Kulturtechniken und Wissensformen führen. Das 21. Jahrhundert wird sich daher zunehmend mit neuen Formen menschlicher und nicht-menschlicher Umwelt und Wirklichkeit auseinanderzusetzen haben. Dies wirft Fragen nicht nur nach dem Verhältnis von Realität und Virtualität, sondern auch nach der Repräsentation dieser Welt(en) in Sprache und Kultur auf und macht Untersuchungen zu geschichtlichen Formen der sprachlichen und literarischen Wirklichkeitskonstruktion unabdinglich.
Für die Literatur- und Kulturwissenschaft werden dabei vergleichende Ansätze - etwa der Gegensatz zwischen klassischen Formen literarischer Darstellung einerseits und Virtualität und Simulakren der (Post-)Moderne andererseits - wie auch Einzelaspekte zu Inszenierungen und Realitätsrepräsentationen eine Rolle spielen; in der Sprachwissenschaft soll die Frage sprachlicher Repräsentation und Kognition in der spanischen Gegenwartssprache wie auch in früheren Sprachstufen im Zentrum stehen.
Als größter hispanistischer Kongress im deutschsprachigen Raum bietet der Hispanistentag über das wissenschaftliche Programm hinaus Gelegenheit, über aktuelle hochschulpolitische Themen aus Sicht des Fachs zu diskutieren, etwa über die Frage geänderter Berufsbilder in der Informationsgesellschaft. 2011 soll in Passau zudem mit einem Diskussionsforum zur Lage der Romanistik in den östlichen Ländern Europas an einen Schwerpunkt des Romanistentages in Regensburg angeknüpft werden.
Wolfram Aichinger (Wien), Martina Meidl (Wien, Klagenfurt), Michael Rössner (München, Wien): Melos und Opsis im Siglo de Oro. Rhythmus, Bild und Emotion in Theater und Lyrik
Christina Bischoff (Paderborn), Annegret Thiem (Paderborn): Mystisches Schreiben im Zeichen der Moderne. Lyrische Paradigmen in Lateinamerika
Beatrice Schuchardt (Siegen), Urs Urban (Straßburg): Handel, Handlung, Verhandlung. Theater und Ökonomie in Spanien von der frühen Neuzeit bis zum Beginn der Moderne (16.-18. Jahrhundert)
Valerie Grinberg Pla (Bowling Green), Brigitte Adriaensen (Nijmegen): Von der Wirklichkeit zur Repräsentation und umgekehrt: Kriminalgeschichten in Literatur und Film Lateinamerikas
Kathrin Sartingen (Wien), Esther Gimeno Ugalde (Wien), Pietse Feenstra (Paris): Kino aus weiblicher Hand(schrift): Zur Darstellung und Repräsentation von Realität bei spanischen und lateinamerikanischen Regisseurinnen
Cornelia Glück (München), María Victoria Gómez González (Passau): Das Jahrhundert der (latein-)amerikanischen Revolutionen: Umwälzungen, Visionen und transatlantische Einflüsse in Politik, Kunst und Medien
Claudia Jünke (Bonn), Alexander Gropper Lorda (Passau), Frank R. Links (Bonn): La Movida revisitada - Historische und systematische Aspekte der transmedialen Ästhetik
Laura Morgenthaler García (Bremen), Max Doppelbauer (Wien): Hispanismo africano
Adriana López Labourdette (St. Gallen/Genf), Claudia Gronemann (Mannheim), Cornelia Sieber (Leipzig): Außer/gewöhnliche Körper als Schnittstellen von materiellen und symbolischen Kräften
Ramona Schröpf (Saarbrücken), Raul Sánchez Prieto (Salamanca): Kontrastive Medienlinguistik
Daniel M. Sáez Rivera (Madrid), Marta Guzmán Riverón (München): Vernachlässigte Epochen in der spanischen Sprachgeschichte: das 18. Jahrhundert
Jutta Langenbacher-Liebgott (Paderborn), Rafael Arnold (Paderborn): Ephemere Wörter
Álvaro Octavio de Toledo y Huerta (Tübingen/Madrid), Andreas Dufter (Erlangen): Linksruck: Dislokationen und Frontierungen vom Alt- zum Neuspanischen
Carsten Sinner (Leipzig), María José García Folgado (València): Spanische Schulgrammatiken: Positionen, Modelle und Traditionen der Repräsentation der spanischen Sprache
Martina Schrader-Kniffki (Bremen), Silke Jansen (Mainz): Übersetzung - Realität? Repräsentation? Konstruktion?
Eva Leitzke-Ungerer (Halle-Wittenberg), Gabriele Blell (Hannover), Ursula Vences (Köln): English-Español: Möglichkeiten der Vernetzung im kompetenzorientierten Spanischunterricht